Schäffler

Nächste Aufführung 31. Januar 2027 & 06. Februar 2027 !

Ansprechpartner:

Karl Kellnberger:  

Email: karl-kellnberger@t-online.de

Josef Brunner:

josef-brunner80@t-online.de

 

IMG_1491.jpgKulturpreis Lkr. Passau

Entstehung und Herkunft des Schäfflertanzes.

Nach der Sage soll der Schäfflertanz in der Landshauptstadt München seinen Ursprung haben. Dort herrschte im Jahre 1517 die Pest, der mehr als die Hälfte der Einwohner zum Opfer fielen. Nach dem Abklingen dieser Seuche traute sich niemand mehr auf die Straße.

Da waren es die Schäffler, die mit ihrem Tanz "Gretl in der Bütt" die Menschen wieder auf die Straße locken wollten, um ihnen zu zeigen, dass keine Gefahr mehr bestand. Dies gelang ihnen auch.

Damit kam neuer Lebensmut auf und die Stadt wurde wieder belebt. Seither führen die Münchner Schäffler den Tanz bis heute regelmäßig alle 7 Jahre auf.

Nachweisen lässt sich der Münchner Schäfflertanz jedoch erstmals 1702.

Auch die Melodie "Aba heit is koit, aba heit is koit,..", als deren Komponist Wilhelm Siebenkäs (* 1824 in Fürth, † 1888 in Nürnberg) gilt und nach der die Pleintinger Schäffler ihren Tanz aufführen, ist erst wesentlich später entstanden.

Der Tanz in dieser Form, so die Folgerungen der Geiselhöringer Schäffler in ihrer Chronik von 1993, die auf Chroniken der Münchner (1976) und der Murnauer Schäffler (1978) aufbaut, sei erst Mitte des 19. Jahrhunderts aufgekommen.

Die Süddeutsche Zeitung jedoch ist anderer Meinung. In ihrer Ausgabe vom 7. Januar 1998 zum Münchner Schäfflertanz 1998 berichtet der Autor Rudolf Reiser gar, dass die Wurzeln bis in die Antike zurückreichen.

Der Münchner Schäfflertanz fand weite Verbreitung vor allem in bayerisch-österreichischen Raum, wofür seit 1830 überwiegend wandernde Schäfflergesellen sorgten, die sich nach den Wanderjahren niederließen und mit Unterstützung von örtlichen Vereinen in ihren Heimatorten den Tanz teils kopierten oder auch weiterentwickelten. In manchen Fällen blieb es lediglich bei den Versuchen, in rund 50 Orten jedoch wird der Tanz meist regelmäßig seit der Einführung aufgeführt.

So kamen auch die Vilshofener in den Genuss, in ihren Stadtmauern eine Schäfflertanzaufführung zu erleben, wie das Vilshofener Tagblatt berichtete:

Die 19 Walder Buam aus Perlesreut mit ihrer eigenen Bauern-Kapelle führten in verschiedenen Plätzen den Original-Schäffler-Tanz mit Blechmusikbegleitung auf. Außer den vielen Zuschauern an den Fenstern der Häuser waren die einzelnen Vorführungen von einer großen Menschenmenge umrahmt. Obwohl die Straßen durch die letzten Schneefälle sehr schlüpfrig geworden sind, tanzten die frischen Jungens sehr sicher und exakt nach dem Takt der Musik. Der Reigen bot ein farbenfrohes Bild und gefiel ganz besonders der effektvolle Abschluss mit der Bildung der Krone durch die zusammengeformten Tannen-Girlanden-Bögen. Mögen die opferfreudigen Waldlerbuam auf ihrer Rundreise zur Unterstützung der notleidenden Bewohner der Ostmark von pekuniärem Erfolg begleitet sein.

 

Wie der Tanz nach Pleinting kam.

Der "Binder Moser" - so besagt es die Erzählung - kam in seinen Wanderjahren nach München und durfte als Bindergehilfe dort den Schäfflertanz erlernen und mittanzen. Zuletzt tanzte er ihn noch im Jahre 1876 in Hohenkammer in Oberbayern, bevor er in seine Heimat Pleinting zurückkehrte und sich hier wieder niederließ.
Fünf Jahre später überlegte er, ob es denn nicht möglich wäre, den Schäfflertanz auch in Pleinting zur Aufführung zu bringen. Zusammen mit seinem Freund Teuscher ging er in den letzten Tagen des Jahres 1880 "nunter zum Randlkofer" (damalseine Brauerei, heute das Gasthaus Baumgartner) und weihte auch jenen in den Plan ein und bat ihn, den Tanzsaal zu den Proben zur Verfügung zu stellen, was Randlkofer ohne jeden Widerwillen tat. Am selben Tag noch wurde die Kapelle Scheßl arrangiert und bald summte die ganze junge Bürgerschaft die fröhliche Weise: "Aba heit is kalt..."
Uniformen mussten nun geschneidert, Hauben geformt und geziert werden. Moser selbst fertigte die Reifen, dass Fass und die Krone an. Mit emsigen Fleiß war alles bald geschafft und in den Faschingstagen des Jahres 1881 stieg nun jener begeisternde und historische Tanz auf den Straßen und Gassen Pleintings.

 

Wie die Feuerwehr zum Schäfflertanz kam.

Zu dieser Zeit gab es in Pleinting lediglich drei Vereine, den Bürger-, den Veteranenverein und die Feuerwehr. Bei der Feuerwehr waren junge und tatkräftige Leute zu finden, die als Tänzer und Akteure in Frage kamen. Die drei Initiatoren (Moser, Teuscher, Randlkofer) waren ebenfalls Feuerwehrleute, auch der mit seiner Musikkapelle weitum bekannte Musiker Johann Nepomuk Scheßl, der als erster Komitee-Vorstand und Musikdirektor wohl ebenfalls als Mitbegründer des Pleintinger Schäfflertanzes anzusehen ist, war auch Feuerwehrmann. Dennoch kann man nirgends bis vor dem 2. Weltkrieg einen Hinweis darauf finden, dass der Schäfflertanz von der Feuerwehr veranstaltet wurde. Die Organisation übernahm immer das Komitee. Dieses wiederum setzte sich meist aus Feuerwehrmännern zusammen. Erst nach dem Krieg tauchte immer der Name der Freiwilligen Feuerwehr im Zusammenhang mit dem Schäfflertanz auf.
Rechtlich in der Satzung der Freiwilligen Feuerwehr Pleinting verankert wurde er sogar erst im Jahr 1994. Man kann aber dennoch der Feuerwehr von Anfang an den Schäfflertanz in Pleinting zuschreiben.        

 

Der Ablauf des Schäfflertanzes.

Traditionsgemäß folgte dem Ausmarsch aus dem Gasthaus Baumgartner, früher auch noch abwechselnd mit dem Gasthaus Klinger, der erste Tanz beim 1. Bürgermeister unseres Marktes und der zweite im Pfarrhof zu Ehren des Ortsgeistlichen. Dann ging es zu den verschiedensten Tanzplätzen, die man möglichst gleichmäßig über den Ort verteilte. Der Reifenschwinger ließ hinterher jede Familie namentlich "Hochleben". Mit der Aufführung 1982 musste dies geändert werden. Für den ersten Tanz, bei dem beide Figuren aufgeführt wurden - die Erklärung der Figuren folgt weiter unten - wurde eine Ehrentribüne errichtet, auf der geladene Ehrengäste, darunter der 1. Bürgermeister der Stadt Vilshofen und auch der Pleintinger Pfarrer, das Geschehen verfolgen konnten. Auch das "Hochleben" lassen aller Familien musste entfallen.
Mit der Aufführung im Jahr 2007 musste man auch das Tanzen auf so ziemlich allen Straßen Pleintings aufgeben. Stattdessen konzentrierte man sich auf den Ortskern, wo nebenbei auch ein kleiner Faschingsmarkt veranstaltet wurde.
 Kommen wir zur Beschreibung des Tanzes. Der Tanz besteht aus zwei verschiedenen Figuren, die im selben Grundschritt getanzt werden. Sie werden abwechselnd aufgeführt und unterscheiden sich in der Form, die durch die Girlandenbögen gebildet wird.
Die eine nennt sich die "Krone". Jeder Tänzer hält alleine einen Bogen und tanzt in einer Reihe mit den anderen, stets dem Vortänzer nach, welcher die Figuren anführt. Am Ende folgt die Bildung der Krone. Einer der "Wagerlbuam" stellt das Fass in die Mitte, in das die Bögen eingesteckt werden. Nach einer Runde werden die Bögen wieder herausgelöst und man tanzt sich wieder in die Ausgangstellung zurück.

Die zweite Figur heißt "Laube". Bei ihr hält jeder Tänzer jeweils ein Ende von zwei Bögen, auch der große Bogen, der auf den Fotos zu erkennen ist, kommt dabei zum Einsatz. Nach einigen Schleifen, und Schlangen geht es langsam auf das Finale zu, in einer Schnecke tanzen sich die Schäffler immer näher und näher zusammen, bis sie schließlich dicht an dicht tanzen. Der große Bogen wird schließlich noch oben darüber platziert. Nach einer Runde drehen sich die Tänzer auf dem Punkt um und tanzen in umgekehrter Richtung, bis sie wieder in ihrer Ausgangsstellung angekommen sind. Ein falscher Dreher jedoch, und das entstandene "Knäuel" lässt sich nicht mehr lösen.

Nach dem Tanz folgt dann noch ein weiteres Highlight - das Reifenschwingen. Der Reifen wird zunächst mit einem vollen Schnapsglas darin geschwungen, dann mit zweien und dann wird dies noch mit drei Gläsers wiederholt (wie auf dem Foto zu sehen).
Im Gegensatz zu den Reifenschwingern vieler anderer Schäfflergruppen, die Klammern, Kerben oder andere Hilfsmittel benutzen, um das Glas im Reifen zu halten, beherrschten die beiden Reifenschwinger Karl Kellnberger jun. und Josef Brunner jun. das Schwingen ganz ohne Tricks. Damit dies die Zuschauer auch glauben, lassen sie ab und zu absichtlich doch auch mal ein Glas zu Bruch gehen.